Jahresthema

»Niemand weiß, wie lang, er es hat,

was er ruhig besitzet […]«

GOETHE: HERMANN UND DOROTHEA, 1797

PROGRAMM 2020

Fr | 31. Januar | Stadtbücherei Lesecafe | 19.30 Uhr

Apéro Goethe!

Alle Jahre wieder, am Ende der Weihnachtszeit,

stellt der Vorstand das neue Jahresprogramm vor.


Do | 26. März | 20.00 Uhr | Kornhaus Saal | Lesung

Elisabeth Binder: »Im Prinzip Liebe«.

„In tausend Formen magst du dich verstecken, Doch, Allerliebste, gleich erkenn ich dich…“ Im Sommer 1815 verbrachte Goethe glückliche Wochen der Nähe und Neigung zur 35 Jahre jüngeren Marianne von Willemer. In ihrem liebevollen Austausch ließen sich beide von dem persischen Dichter Hafis zu einem poetischen Versteckspiel inspirieren, das Eingang fand in Goethes West-Östlichen Divan, der im Jahr 1819 erschien. Elisabeth Binder, Autorin mehrerer Romane und Essays, spürt in ihrem Buch der späten Liebesgeschichte Goethes nach und gewährt erhellende Einblicke in die Entstehung und Gedankenwelt des West-Östlichen Divan. – In Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei

MARIANNE VON WILLEMER,
GEMÄLDE VON JOHAN JACOB DE LOSE, 1809


Fr | 24. April | Stadtbücherei Lesecafé | 19.30 Uhr | Lektüre

Goethe: Hermann und Dorothea

Die Geschichte ist schnell erzählt: Flüchtlinge, die vor den Kriegswirren der Revolution ihre Heimat verlassen mussten, kommen in eine idyllische Kleinstadt; und der einzige Sohn (und Erbe) des Wirts zum goldenen Löwen verliebt sich in eine mittellose Fremde, in eine »der armen Vertriebnen«. Die Ehe besiegelt am Ende die Liebe zwischen Hermann und Dorothea: »Du bist mein; und nun ist das Meine meiner als jemals.« 1797, unter dem Eindruck der revolutionären Ereignisse publiziert, avancierte Hermann und Dorothea im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem Hausbuch des deutschen Bürgertums. Ob zu Recht, ist eine Frage, die zu diskutieren sein wird. – Die Lektüre des Textes wird vorab empfohlen

»HERMANN UND DOROTHEA«,
ILLUSTRATION VON EMIL KLEIN


Do | 18. Juni 20 | Kornhaus Saal | 20.00 Uhr | Vortrag

Dieter Lamping: Der »Abschluss von Jahrtausenden«

Karl Jaspers über Goethe

Nach dem Zusammenbruch 1945 war der Philosoph Karl Jaspers (1883- 1969) eine der profiliertesten Persönlichkeiten, die sich für einen radikalen Neuanfang einsetzten; gemeinsam mit Dolf Sternberger gab er von 1946 bis 1949 die Zeitschrift ›Die Wandlung‹ heraus, in der prominente Autoren wie Hannah Arendt oder Bertolt Brecht publizierten. »Unsere Zukunft und Goethe« war das Thema seiner Rede, mit der er sich 1947 für den Goethepreis der Stadt Frankfurt bedankte. Dieter Lamping, Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft in Mainz, referiert die Antworten Jaspers´ und stellt sie neu zur Diskussion. – In Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei

Bereits um 19 Uhr Mitgliederversammlung der Goethe Gesellschaft


Sa | 4. Juli | eintägig

Exkursion nach Tübingen

»Auf den Spuren von Hölderlin«

»Die Stadt hat eine höchst unbequeme Lage auf einem Bergrücken. Die Straßen sind daher äußerst uneben. Dazu kommt, daß die Straßen meist sehr eng, krumm und schlecht gepflastert sind, und eben nicht sehr rein gehalten werden«, heißt es in einer zeitgenössischen Reisebeschreibung. Zweimal war Hölderlin in Tübingen. Von 1788 bis 1793 im Stift, um Theologie zu studieren. Und von 1806 bis zu seinem Tod, 1843: erst im Klinikum des Dr. Autenrieth, dann im Zimmerschen Haus, im heute sog. Hölderlinturm. Die Gedenkstätte, die sich dort befindet, wird ebenso besichtigt, wie wir den Spuren Hölderlins in der Stadt nachgehen. – Infos bei der Mitgliederversammlung am 18. Juni


Do | 30. Januar 20 | 20.00 Uhr | Konzerthaus

Peter Weiss: Hölderlin

Das Stück beginnt im Tübinger Stift, wo Hölderlin mit Hegel und Schelling diskutiert, und endet im Turm, wo der junge Karl Marx den umnachteten Dichter besucht. Peter Weiss hat nach der Position des Intellektuellen in politisch unruhigen Zeiten gefragt. – Für Mitglieder 10 % Ermäßigung


Sa | 29. Februar 20 | 20.00 Uhr | Konzerthaus

Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder

Der Krieg ernährt Mutter Courage und ihre Kinder; der Krieg ist ihr Geschäft und gleichzeitig ihr Verhängnis. 1939, am Vorabend des Zweiten Weltkriegs verfasste Brecht das Stück: als Warnung für die, die glaubten, mit dem NS-Regime Geschäfte machen zu können. – Für Mitglieder 10 % Ermäßigung


Sa/So | 19./20. September| zweitägig

Exkursion nach Marbach

»Bei Schiller & auf der Schillerhöhe«

Bereits Caroline von Wolzogen, die Schwägerin Friedrich Schillers, rühmte Marbach für „die anmuthige Lage des Orts an einer fruchtbaren Anhöhe des Neckars“. Später, nach Schillers Tod, begann Marbach, seinen Ruf als Literaturstadt zu festigen: zunächst mit dem Geburtshaus Schillers, das 1859 als eine der ersten literarischen Gedenkstätten eröffnet wurde. Dann folgte das Schiller-Nationalmuseum, das zur Keimzelle des Deutschen Literaturarchivs wurde, dem im Jahr 2006 mit dem Literaturmuseum der Moderne ein weiterer Höhepunkt hinzugefügt wurde. Brigitte Eichhorn- Schmiedel, in Marbach geboren und Mitglied der Goethe-Gesellschaft, organisiert die Exkursion.

DENKMAL FÜR FRIEDRICH SCHILLER AUF
DER SCHILLERHÖHE IN MARBACH


Do | 15. Oktober | Kornhaus Saal | 20.00 Uhr | Vortrag

Jürgen Goldstein: »Natur erleben – Revolution betreiben«

Über Georg Forster

Naturforscher, Weltreisender, Schriftsteller, Revolutionär: Georg Forster (1754-1794) ist zweifellos eine der faszinierendsten Gestalten seiner Zeit. Er begleitete James Cook auf dessen zweiter Weltumsegelung; drei Jahre und 18 Tage war er unterwegs, er überquerte Ozeane, bereiste die Südsee, Tahiti und die Antarktis – und schrieb darüber. »Wie ein Siegelring sein Relief im heißen Wachs hinterlässt«, prägten sich ihm die neuen Eindrücke ein. 1793 rief Forster in Mainz die erste deutsche »Republik« aus. Ein Jahr später ist er, vereinsamt, in Paris gestorben. Dieses Leben »zwischen Freiheit und Naturgewalt« hat Jürgen Goldstein, der in Koblenz-Landau Philosophie lehrt, in einem spannenden Potrait dargestellt. In seinem Ravensburger Vortrag wird Goldstein auch einen Blick auf die Zeichnungen Forsters ermöglichen und Einblick geben in sein neuestes Forster-Projekt. – In Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei

JOHANN REINHOLD FORSTER
UND SEIN SOHN GEORG AUF TAHITI,
ZWISCHEN 1775 UND 1780


Fr | 13. November | Stadtbücherei Lesecafe | 19.30 Uhr

Heinrich Heine: Reisebilder

Lesemarathon

Den Verfassern der damals modischen Reisebeschreibungen, die in der Nachfolge der Italienischen Reise entstanden, warf Heinrich Heine eitle Subjektivität vor, »während Göthe mit seinem klaren Griechenauge alles sieht, das Dunkle und das Helle, nirgends die Dinge mit seiner Gemütsstimmung koloriert, und uns Land und Menschen schildert, in den wahren Umrissen und wahren Farben, womit sie Gott umkleidet.« 1824 begab sich Heine selbst auf Reisen: zu Fuß durch den Harz bis nach Weimar, und von dort über Kassel zurück nach Göttingen. In den Reisebildern, deren erster Teil Die Harzreise 1826 erschien, befreit er sich zwar vom klassischen Blick Goethes, beschreibt aber mit nicht minder klarem Auge und messerscharfer Feder die Zustände seiner Zeit.

HEINRICH HEINE
GEMÄLDE VON MORITZ DANIEL OPPENHEIM, 1831



Eintritt Vortrag:
für Mitglieder der Goethe-Gesellschaft frei | Nichtmitglieder 5 €

Unkostenbeitrag Exkursion:
für Mitglieder der Goethe-Gesellschaft 5 € | Nichtmitglieder 10 €